Thema: Kooperationen

Thema: Kooperationen

Contra & mehr Contra’s

📝 In der letzten Woche habe ich 4 Kooperationsanfragen bekommen. Leicht verdutzt und auch irgendwie geschmeichelt, habe ich mir die Mails durchgelesen. Noch vor ca. 2 Jahren wäre ich singend im Kreis gesprungen. Irgendwie war es eins dieser Ziele: eine Kooperation mit einer Firma, wie toll das doch wäre! Heute: bin ich ratlos, weiß nicht genau was ich antworten soll. Lehne regelmäßig Kooperationen ab und bin bisher auch keine wirklich eingegangen. Aber wieso nicht, werden sich vielleicht einige Fragen, wenn doch die Möglichkeit schon einige Male gegeben war? Ich möchte versuchen es euch zu erklären.
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Punkt 1: Die Kooperation bzw. der Kooperationspartner passt nicht zu mir. Das ist so simple und so ausschlaggebend, dass es eigentlich keiner weiteren Erläuterung braucht. Die meisten Kooperationsanfrage bekomme ich im Hundefuttermittel-Bereich. Wäre an sich praktisch, aber Mable hat tolles Futter, dass sie gut verträgt. Insofern würde ich nicht mit jeder Kooperation das Futter wechseln, dass ist ja Blödsinn. Was weniger häufig vorkommt, sind Anfragen von Firmen, die so gar nichts mit mir oder meiner Zielgruppe gemeinsam haben. Sowas ist direkt raus für mich. Wobei auch Hundefuttermittel auf meinen Joliegraphie-Account etwas neben der Zielgruppe wäre, da der Hauptteil doch immer noch Pferde und Pferdeleute sind.
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Punkt 2: Die Bezahlung stimmt nicht. Ich bin ehrlich, ich hatte noch keine einzige Anfrage für eine Kooperation, die eine „richtige“ Bezahlung beinhaltet hätte. Die einzige Art an Bezahlung ist immer das Bereitstellen von Produkten. Ich weiß, viele denken hier: „Wow, aber das ist doch großartig! Produkte zum ausprobieren ohne dafür etwas zahlen zu müssen.“ – Moment, Stop. Ohne dafür etwas zahlen zu müssen, ist leider einfach ganz falsch. Denn ich bezahle mit meiner Zeit. Mit meiner Zeit, diese Produkte zu testen, mit Zeit diese Produkte zu fotografieren, in Szene zu setzten, mit Zeit alles online zu stellen, für Social Media aufzubereiten usw. (Zeit ist übrigens – in meinen Augen – unsere wertvollste Ressource) Und ich weiß, auch hier würden einige sagen: „Aber das ist doch nicht so aufwendig, dass geht doch fix und lohnt sich für die Produkte ja auch, Produkt XY das ich zur Verfügung gestellt bekommen habe, hätte mich normalerweise rund 150€ gekostet!“ Auch hier, Stop. Ja, das Produkt hätte dich 150€ gekostet, nicht aber die Firma. Hier muss man den Einkaufspreis als Maßeinheit hinzuziehen, nicht den Verkaufspreis! Ganz wichtig. Und selbst den Einkaufspreis können die Firmen in dem Fall als Werbekosten geltend machen. Genau genommen verschenken sie also nicht mal was, sondern haben eine doppelte Winn Winn Situation. Werbekosten absetzten plus kostenlose Werbefotos. Jackpot! Und ich, als Kooperationspartner „darf“ zum Glück die Fotos dafür bereit stellen. Ist ja nicht so aufwendig. Nehmen wir an, es handelt sich um ein Halsband, dann muss ich das Halsband auspacken, anpassen, mir eine Location suchen, mit Mable dort hin fahren, Mable positionieren und fotografieren und das Halsband in Szene setzten, im Zweifel brauche ich einen Helfer, dann natürlich Bilder sichern, sichten, auswählen, bearbeiten. Mal grob überschlagen würde ich schätzen braucht man dafür im Schnitt: 2-3 Stunden. Natürlich abhängig davon wo die Location ist (Hallo Spritgeld) und abhängig von der Laune und Motivation meines Hundes. 2-3 Stunden für ein Halsband vielleicht im Wert von 60€. Kann man machen, sollte man aber nicht. Schon gar nicht, wenn man hauptberuflich als Fotograf selbstständig ist. Und lassen wir hier mal den Aspekt Equipmentverschleis außen vor.
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Wie sieht das denn aus, wenn mich eine Firma regulär bucht, für Produktfotos? hier wird die genaue Zeit kalkuliert und nach Stunden- bzw. Tagessatz abrechnet und ganz wichtig: die Nutzungsgebühr berechnet. Schließ verdient die Firma anschließend im besten Fall durch eure Werbebilder weiterhin Geld. Was heißt das in Zahlen: Ein guter Stundensatz eines hauptberuflich selbstständigen Fotografen sollte mindestens zwischen 75-200€ (nur ein Richtwert) liegen, abhängig von Wissenstand, Fähigkeit uvm. Fahrkosten werden natürlich auch als eigener Posten abgerechnet. Wenn wir wieder unser Beispiel Halsband nehmen, haben wir 2-3 Stunden, das wären im günstigsten Fall 150-225€ oder im teuersten 400-600€ ohne Fahrkosten. Jetzt müssten wir hier eigentlich noch die Nutzungsgebühren oben drauf rechnen. Fun Fact: In der Praxis wird das leider extrem selten gemacht, vor allem in der Tierfotografie habe ich das Gefühl, dass es nahezu nie gemacht wird. Wofür sind die Nutzungsgebühren? In den Nutzungsgebühren bzw. den Nutzungsrechten wird festgelegt, was der Kunde anschließend mit den Fotos machen kann und darf. Darf er sie auf der Website nutzen oder vielleicht auch nur für Printprodukte. Wie hoch darf die Auflage der Produkte sein und wie lange dürfen die Bilder überhaupt genutzt werden: 1 Jahr, 2, Jahre, 3 Jahre oder unbegrenzt. All das wird gern vergessen oder von Anfang an gar nicht erst gewusst, leider. Je nach Art und Einsatz der Fotos können Nutzungsrechte zwischen 25-100% Aufschlag zum Endpreis kosten (auch hier nur ein Richtwert, Schwankungen gibt es natürlich immer). Dann werden aus den 150-225€ schnell im günstigen Fall aufgerundet 188-282€ und im teuersten Fall 300-450€ ohne Fahrtkosten. Die kommen nun je nach Fahrtkosten-Satz oben drauf. In der Regel variieren die Fahrtkosten zwischen 0,30 Cent bis 0,50 Cent pro gefahrenen Kilometer (natürlich Hin- und Rückfahrt! Auch das vergessen einige).
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Selbst wenn wir jetzt mal nur vom günstigen Stundensatz ausgehen ohne Nutzungsgebühr, ist man kostenmäßig schon deutlich über dem Wert des Produkts. Wo bleibt da also der Mehrwert für dich? (Abgesehen davon, dass du was „geschenkt“ bekommst und auf irgendeinem Instagram Account als Fotocredit genannt wirst, was dir in den wenigsten Fällen neuen Kunden bringt).
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Punkt 3: Es nervt! Wenn ich so durch die Storys schaue, sehe ich mindestens einmal am Tag irgendwo Werbung wegen einer Kooperation. Bei einigen Accounts sogar 1-2 mal pro Woche. Und das beste: Mehrere Accounts die für die gleiche Firma werben, werben im gleichen Zyklus, ergo: an einem Tag sieht man eventuell bei mehreren Accounts die gleiche Werbestory. Und darf ich ganz ehrlich sein: Mich kotzt das richtig an. Ich finde das so, so unfassbar nervig, dass ich deshalb schon einige Accounts (die ich eigentlich gerne mochte) entflogt habe, weil es einfach nur noch nervt, ständig mit Werbung bombardiert zu werden. Und dann meistens auch noch mit Dingen, die ich so gar nicht gebrauchen kann: Klamotten, Schminke, Beauty-Kram, Tee’s usw… Tut mir leid, da bin ich echt raus! Kooperationen für Kamera-Equipment oder zumindest Tierbedarf oder so wäre ja noch okay oder auch verständlich bei den Zielgruppen (wir sprechen hier natürlich zu 95% von der Tierfotografie-Szene). Und weil mich das echt so extrem nervt, könnte ich mir vorstellen, dass es auch anderen so geht, was zur folge hat, das ich nicht weiß, ob ich jemandem so mit einer Kooperation auf die Nerven gehen möchte. Tatsächlich ist das für mich auch ein wirklich großer und wichtiger Punkt gegen eine Kooperation.
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Punkt 4: Der falsche Name. Wenn mich Firmen anschreiben, merkt man ganz schnell wer nur Kettenbriefe verschickt. Wer mich mit „Hallo Jolie“ anschreibt und sich nicht mal 5 Sekunden mit mir auseinander gesetzt hat, um zu wissen das ich einfach nicht Jolie heiße, ist ebenfalls direkt raus. Leider gibt es wirklich nur super wenige Anfragen, wo man merkt, dass die Firma sich zumindest mal kurz Zeit genommen hat, sich mit dem Account zu beschäftigen. Vielmehr ist es einfach Massenabfertigung. So viele Kooperationspartner bekommen wie nur möglich, um so viele kostenlose Werbefotos bzw. Werbecontent abzugreifen wie nur geht.
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Punkt 5: Die Produkte an sich. Einige haben es vielleicht mitbekommen, dass ich mal ein Gewinnspiel in Kooperation mit einer Firma gestartet habe und es recht schnell wieder abgebrochen habe, weil ich den Eindruck nicht los wurde, dass die Firma mit minderwertiger Ware handelt. Das wurde seitens der Firma weder bestätigt noch richtig dementiert. Aber ich habe das Gefühl bei einigen Firmen. Besonders die hohen Rabatt-Codes und die Häufigkeit derer, bringt mich ins Grübeln. Wie kann sowas wirtschaftlich sein? Wie können die Produkte so extrem hochwertig sein, wenn sie 1-4 mal im Monat um fast die Hälfte reduziert werden oder man zusätzlich noch etliche Produkte geschenkt bekommt. Finde ich alles etwas fragwürdig muss ich sagen. Das nur mal am Rande.
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Wenn eine Firma wirklich Interesse an einem hat, der Arbeit, dem Account und allem was dazu gehört, dann sind sie auch bereit dafür zu zahlen, dass man eine geschäftliche Partnerschaft eingeht. Ganz sicher! Am Ende muss das natürlich jeder für sich selbst und seinen Kanal entscheiden. Das ist lediglich meine Sicht der Dinge.

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