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Wolltest du schon immer Fotografin werden?

Wolltest du schon immer Fotografin werden?

Kurz und knapp: Nein.

Ja und nun bin ich bereits in meinem dritten Jahr der Selbstständigkeit als Fotografin. Es kommt immer anders als man denkt. Aber oftmals ist es genau das, was wir brauchen.

Ich stellte mir in der Schule immer vor, dass ich später mal einen tollen Bürojob haben würde. Regelmäßige Arbeitszeiten, ein festes Einkommen, einige Urlaubstage und nette Kollegen. Das wär was, dachte ich immer. Bis mich das Leben eines besseren belehrte. Kurz vor Ende meiner Schulzeit 2012 hatte ich eine kleine Krise und machte das darauf folgende Jahr eine Art Selbstfindungsphase. Zu dem Zeitpunkt fotografierte ich bereits. Meine erste Spiegelreflex hielt ich 2010 in den Händen, als ich mit meinem Dad im Urlaub in Spanien war. Wir waren dort auf einer tollen Finca mit wundervollen Andalusiern. Da musst natürlich fotografiert werden. Davor habe ich immer mal wieder unsere Hunde oder meine Reitbeteiligung mit einer Digicam fotografiert. Nichts dolles und auch ohne großen Anspruch bisher. Nach dem Spanien-Urlaub änderte sich das. Ich fand gefallen an der Fotografie und ging immer öfter mit der Kamera aus dem Haus. Hunde, Pferde, Bienen, Blumen – nichts war mehr sicher vor mir. Aus den eigenen Tieren wurden dann die Tiere von Freunden und Bekannten und so nahm alles seinen Lauf.

Aber was war mit dem Bürojob? Während meiner Selbstfindungsphase hatte ich eine Zeit lang den Wunsch Pferdewirtin zu werden. Ich wollte um alles in der Welt was mit Pferden machen. Welches Pferdemädchen kennt das nicht? Ich machte einen Probetag auf einer Anlage und binnen wenigen Stunden war dieser Traum sowas von fett von meiner Liste gestrichen. Was hat mich da auch eigentlich geritten mit einer Stroh-, Heu- und Stauballergie Pferdewirtin werden zu wollen?

Also musste eine Alternative her. Schließlich blieb nur studieren oder eine Ausbildung machen. Studieren wollte ich nicht mehr. Ich hatte genug von purer Lernerei und war auch nie so der Überflieger in der Schule. Ich wollte lieber praktisch arbeiten und suchte also eine Ausbildung. Nach Pferdewirtin war das naheliegendste: Fotografin.
Ich machte damals in der 9. Klasse bereits ein Praktikum in einem kleinen Fotostudio und ging erneut in einem zur Probe arbeiten und recherchierte ein wenig über den Beruf und die Bedingungen und Konditionen. Was die Lehre als Fotografin auch sehr schnell ins Aus katapultierte. Denn eine Lehre als Tierfotografin gab es nicht und Passbilder wollte ich nun wirklich nicht drei Jahre lang schießen.

Was nun? Ich schaute mich weiter um und stieß recht zufällig auf eine offene Stelle als Mediengestalterin in einem der bekanntesten Verlage Deutschlands. Ein Beruf, den ich gar nicht auf dem Schirm hatte, aber furchtbar interessant und vielfältig fand. Kurzum entwarf ich eine Bewerbungsmappe. Einige Zeit später folgte ein Einstellungstest und ein Vorstellungsgespräch und dann kam der ersehnte Anruf: „Sie haben den Ausbildungsplatz!“ Was für ein Glücksgefühl. Ich war irre froh und freute mich wirklich wahnsinnig über die kommenden drei Jahre.

Zwischen Sommer 2012 und Herbst 2013, als meine Ausbildung dann endlich startete fotografierte ich viele Turniere und hatte auch bereits meine ersten bezahlten Shootings. Anfang 2013 meldete ich meine Fotografie neben der Ausbildung nämlich ganz offiziell an. Ich war sehr zufrieden mit der Aufteilung: Mediengestalter in Vollzeit und nebenbei die Fotografie. Die Sicherheit des festen Einkommens war mir vor allem wegen Jolie auch so wichtig. Ich wollte niemals in die Situation kommen die Stallmiete nicht mehr zahlen zu können oder eine Tierarztrechnung nicht stemmen zu können. Während meiner Ausbildung wuchs die Fotografie immer weiter, ich begann deutschlandweit zu fotografieren und hatte immer mehr Aufträge, was ich anfangs für unmöglich gehalten haben.

Im Sommer 2016 schrieb ich meine Abschlussprüfung und bekam auch ein Übernahmeangebot, das ich dankend ablehnte – Schichtdienst von Mo-So und mind. zwei Wochenenden im Monat hätte gearbeitet werden müssen. Ich sah meine Zeit des Fotografierens dahin schwinden und suchte eine neue Alternative. Ich wollte meine Prioritäten neu strukturieren. Statt Vollzeit als Mediengestalterin sollte es nun eine Teilzeitstelle werden, was auch auf anhieb klappte. Meine Büro- und Fotografiezeiten waren nun nahezu ausgeglichen. Ich hatte mehr Freizeit, mehr Zeit für meine Shootings bei kostendeckendem, festen Einkommen. Was für eine traumhafte Lösung!

Bis April 2017, als ich die Firma verließ – im Einverständnis beider Seiten. Ich machte mich direkt auf die Suche nach einer neuen Teilzeitstelle, denn ich wollte nach wie vor nicht selbstständig sein. Ich schrieb einige Bewerbungen, hatte auch ein Vorstellungsgespräch, aber alles in allem lief es sehr mühsam und nicht wirklich gut. Ich fand mich damit ab und wendete mich notgedrungen der Selbstständigkeit zu. Und plötzlich, von Tag zu Tag konnte ich mir das immer besser vorstellen. Es machte mich so unendlich glücklich und frei, dass ich meine Suche nach einer Teilzeitstelle komplett an den Nagel hängte und beschloss, dass dies nun mein Weg sei.

Wohlgemerkt der beste Weg, den ich für mich hätte finden können – oder der mir aufgedrängt wurde, als ich meine Festanstellung aufgab. Es hätte wirklich nicht besser sein können. Dieser Arschtritt in Kombination mit dem „Zwang“ etwas zu schaffen und es gut zu machen, katapultierte mich in null Komma nichts in die Selbstständigkeit als Fotografin, die ich nicht mehr missen möchte. Mittlerweile kann ich mir gar nicht mehr vorstellen fest in einem Büro zu arbeiten – auch wenn ich natürlich dennoch viel Zeit am PC verbringe, aber eben anders. Halt auf meine Art. Freiheit, Selbstbestimmtheit und sein eigener Chef zu sein ist wirklich ein großes Geschenk. Natürlich ist all das aber auch mit viel Arbeit und Selbstdisziplin verbunden, was ich manchmal immer noch sehr unterschätze. So sehr es mich auch fordert und teilweise immer noch überfordert, liebe ich es. Ich liebe und lebe meinen Beruf aus ganzem Herzen.

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